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Lissabon, die herzige Stadt, die alle verzaubert

Als ich spät abends in Lissabon lande, erwische ich gerade noch den letzten Bus, der mich direkt vor die Tür meines Hostels bringt. Das Sunset Destination Hostel liegt direkt am Cais do Sodré, einem Hafen, von wo aus man auf die andere Seite des Tejo gelangt. Das Hostel hat eine superschöne Dachterasse mit Pool, Bar, Chillout Lounge und einem grandiosen Blick über den Tejo. Die Zimmer sind außergewöhnlich eingerichtet, die sechs Dorm Betten mit einer Holzverkleidung wie kleine Schlafkojen gestaltet und verfügen über einen Vorhang, so dass man sich richtig wohl fühlen kann.

Gassenlabyrinth in der Alfama und Baixa

An meinem ersten Tag in der Stadt will ich möglichst viel zu Fuß erkunden. Ich laufe zum Praca do Comércio, einem rießigen Platz, der mich an den Markusplatz in Venedig erinnert. Viele überteuerte Cafés und jede Menge Menschen. Es ist Anfang September und wie sich im Verlauf des Tages herausstellt noch immer Hochsaison. Bei den Massen an Touristen um mich herum war das die einzig logische Erklärung. Ich spaziere weiter durch die Einkaufsstraße Rua Augusta zum Rossio und dem Praca da Figueira, beides sehr schöne Plätze mit typisch portugiesischen Flair.

An keinem anderen Ort sind die Farben aus so vielen Farben gemacht wie an diesem. © José Cardos Pires

Am Martim Moniz möchte ich mit der berühmten Tram 28 zur Burg Castelo de S. Jorge fahren. Daraus wird nur leider nichts, da die Schlange an Menschen, die anstehen, bis ins Unendliche reicht. Also gut, dann laufe ich eben den Hügel hoch zur Burg. Es geht rein in die Alfama, die Altstadt, in der man sich aufgrund der vielen kleinen Gassen leicht verläuft. Aber gerade das ist ja das Spannende. Nach ein paar Irrwegen komme ich oben an und werde mit einer wunderschönen Aussicht über die Stadt und den Tejo belohnt. Ich bleibe eine ganze Weile, fotografiere und beobachte das Treiben.

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Erst mittags schlendere ich weiter durch die verwinkelten Gassen, esse im Cruzes Credo (Adresse: Cruzes da Sé) zu mittag und mache mich auf den Weg zum Miradouro Santa Luzia (Aussichtspunkt) und zur  Portas do Sol. Dort gibt es mehrere schöne Terassencafés in denen man, wie der Name schon sagt, z.B. den Sonnenuntergang genießen kann. Als ich dort bin ist es jedoch noch viel zu früh und so laufe ich weiter zum Pantheon. Das strahlend weiße Gebäude überragt die restlichen kleinen Häuser mit ihren roten Ziegeldächern und so erkennt man es schon von Weiten. Ich sehe es mir nur von außen an und verirre mich anschließend wieder im Labyrinth der Alfama. Die Tram 28 fährt immer wieder an mir vorbei, vollgestopft mit Menschen, so dass ich sehr froh bin diese »Attraktion« bewusst ausgelassen zu haben.

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Irgendwann findet sich der Ausweg und ich laufe am Flussufer zurück in die Baixa, ein ebenso schönes Viertel mit vielen Gassen und Shoppinggelegenheiten. Am Miradouro de Santa Catarina, einem weiteren Aussichtspunkt mit Terasse, genieße ich wiederholt den tollen Ausblick, trinke Cappuccino und probiere die berühmten Pastel de Nata, die ich mir vorher in einem Laden mitgenommen hatte. Die Blätterteigtörtchen mit Pudding gefüllt bekommt man an jeder Ecke, sehr sehr lecker! Die ebenso bekannten, alten Aufzüge in der Stadt meide ich, da sie, wie schon die Tram, überteuert sind. Ich bereue es nicht. Ich bin nicht scharf drauf eingequetscht mit vielen Touristen auf ein paar Quadratmetern aushalten zu müssen, ich möchte ja schließlich die Stadt kennenlernen. Mein Tag endet mit einem Lebensmitteleinkauf, bei dem ich merke, wie viel billiger es hier im Vergleich zu Deutschland ist. Für alle Dinge die ich gekauft habe, hätte ich daheim fast das Doppelte bezahlt …

Christo Rei Statue und Belém

Am nächsten Tag fahre ich früh morgens mit der Fähre vom Cais do Sodre auf die andere Seite des Tejo um die Christo Rei Statue zu besuchen. Als erstes fällt mir der Preis auf: unglaubliche 1,25 € zahle ich für die 15-minütige Überfahrt. Was ist denn da los, bin ich in Asien oder doch in Europa?!? Nein, alles richtig, der öffentliche Nahverkehr ist, genau wie die Lebensmittel, nur ungewohnt günstig.

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Während der Fahrt hat man einen mega schönen Blick auf die Ponte 25 de Abril, die jeden an die rote Golden Gate Bridge in San Francisco erinnert. In Cacilhas angekommen warte ich auf den Bus Nr. 101, der mich direkt zur Statue bringt. Die Haltestelle ist sehr schlecht ausgeschildert, man muss ganz links hinter laufen, nicht gleich bei den ersten Haltestellen stehen bleiben.

Die Statue selbst ist 28 m hoch, der Sockel zusätzliche 75 m und thront direkt über der Brücke des 25. April. Sie ist eine Nachbildung der nur 2 Meter größeren Christo-Redentor Statue in Rio de Janeiro. Ich kann den Gedanken, dass in dieser Stadt so einiges nachgemacht wurde, nicht verhindern. Die Brücke, die Statue, die Trambahn bzw. Aufzüge. All das erinnert an San Francisco bzw. Rio.

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Und dann sind da die vielen Streetart Bilder in der Stadt, die individuellen Restaurants, Kneipen und Cafés. Die sehr lässigen und entspannten Menschen und die machens aus. Das Gefühl, das diese kleine Stadt ausstrahlt, ist ein Wohlfühlgefühl. Wusstest du, dass Lissabon lediglich knapp 550.000 Einwohner hat? Ich dachte es seien viel mehr. Damit ist es sogar kleiner als Amsterdam.

Ich fahre denselben Weg mit Bus und Fähre zurück und steige am Cais do Sodre in eine der Trambahnen Richtung Belém. Unterwegs mache ich noch einen Zwischenstop und laufe zur LX Factory, einem Fabrikgelände mit viel Streetart und netten Cafés. Hier bummle ich über das Kopfsteinpflaster und lass mich inspirieren. So viele tolle Kunstwerke!

Ich spring wieder in die überfüllte Trambahn und fahre weiter bis zum Mosteiro dos Jerónimos. Dieses prachtvolle 300 m lange Bauwerk gehört zu Recht zum UNESCO Weltkulturerbe. Ein paar Meter entfernt kann man sich wieder in eine Menschenschlange einreihen um im bekanntesten Laden der Stadt die leckeren Puddingtörtchen zu kaufen. Ich verzichte dankend.

Vor dem Palast befindet sich eine große Parkanlage, durch die ich in Richtung Tejo spaziere. Vorne geht es dann direkt am Wasser entlang bis zum Padrao dos Descobrimentos, einem weißen Denkmal, vor dem ein Marmormosaik auf dem Boden eine Weltkarte formt. Als nächstes erreiche ich den Torre de Belém, einen Turm, umgeben von Wasser, der nur noch über einen Steg vom Ufer aus zu erreichen ist. Auch hier herrscht großer Andrang. Ich suche mir lieber ein schattiges Plätzchen und beobachte anstatt den Eintritt zu bezahlen und hinein zu gehen.

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Am frühen Abend besuche ich noch den Mercado da Ribeira, direkt vor der Tür meines Hostels (wie praktisch!). Am Rand der großen Markthalle reihen sich verschiedene Stände aneinander, an denen man sämtliche Leckereien bekommen kann. In der Mitte der Halle sind Tische und Bänke aufgestellt. Und so geht dann auch mein zweiter Tag in dieser herzlichen Stadt zu Ende.

FACTS:


  • Meide die Hauptsaison von Juni-Sep und reise lieber im Frühjahr oder Herbst wenn weniger Leute in die Stadt kommen
  • Vergiss den Straßenplan (oder Google Maps), das hilft einem im Gassenlabyrinth eh nicht weiter
  • Flug von München nach Lissabon mit TAP: 288 €, Hostel Übernachtung im Dorm: 26 €, öffentlicher Nahverkehr & Lebensmittel sehr günstig
  • Sicherheitsfaktor für soloreisende Frauen sehr hoch, ich hab mich zu keiner Zeit unwohl gefühlt
  • dynamisch, jung, modern und kreativ, das beschreibt die liebenswerte, kleine Stadt am Besten. »Leben und leben lassen« ist das Motto.

FOTOGRAFIEREN:


Da ich in Städten nicht so gerne fotografiere, kann ich nicht allzu viele Empfehlungen aussprechen. Wer jedoch einen schönen Überblick über die Stadt festhalten möchte ist an den oben genannten Aussichtspunkten und der Christo Statue bestens bedient, denn von dort bekommt man sogar die Brücke des 25. April perfekt aufs Bild. Auch in den verwinkelten Gassen der Alfama lassen sich hübsche Details aufspüren.

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