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Kanada – Mein neues Leben im Winterwonderland

Seit Anfang November bin ich bereits in Kanada und habe meine Reise somit verlängert. Wie kam das eigentlich alles und was ist der Plan fragt sich vielleicht der/die ein oder andere. Deshalb möchte ich heute mal ein bißchen Revue passieren lassen und Einblicke gewähren.

Rückblick 2016

Anfang 2016 bin ich aufgebrochen und habe erstmal 3 Monate in Neuseeland verbracht. Dort bin ich 2 Monate mit zwei wundervollen Travelbuddies in einem Campervan umhergereist. Weitere 3 Wochen habe ich auf einer Farm gearbeitet (mehr dazu hier) und 1 Woche habe ich in der Nähe von Christchurch auf einem Berg in einem Farmhostel verbracht. Danach bin ich nach Australien weitergereist, wo ich erst in Melbourne war und dann mit meiner Schwester einen Roadtrip von Brisbane nach Cairns unternommen habe.

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Als wir am Ende 3 Tage in Sydney waren, habe ich mich spontan für das Work & Travel Visum in Kanada beworben. Man meldet sich online erstmal auf einem Portal an und landet in einem Pool mit allen anderen Bewerbern. Denn seit 2016 ist die Visavergabe eine Lotterie. Ich habe mir nicht viel dabei gedacht und schon gar nicht damit gerechnet, dass bereits am nächsten Tag eine Nachricht kam, dass ich gezogen wurde und somit meine Unterlagen einreichen darf.

Genau an diesem Tag bin ich weiter nach Samoa geflogen, wo ich kaum Internet hatte und die Besorgung dieser Papiere innerhalb einer bestimmten Frist schon ziemlich aufwendig war. Ein polizeiliches Führungszeugnis vom anderen Ende der Welt aufzutreiben, war nur mit Hilfe meiner besten Freundin in Deutschland möglich. Danke an die deutschen Ämter, die immer noch nicht fähig sind, Bürokratisches online abzufertigen.

Nach diesen drei Wochen ging es weiter nach Perth an die Westküste Australiens, wo ich wieder Internet hatte und meine Unterlagen endlich fertig machen konnte. Dort habe ich 3 Wochen auf ein Haus und einen Hund aufgepasst (mehr dazu hier). Nach etwa 4 Wochen erreichte mich die Nachricht, dass ich das Visum erhalte und ich von diesem Zeitpunkt an 1 Jahr Zeit habe einzureisen um dort max. 12 Monate zu verbringen.

Da stand ich also und wusste erstmal nicht wie es weitergehen sollte. Eigentlich hatte ich ja vor bis zum Jahresende durch Asien zu reisen und mich dann wieder brav an meinen Schreibtisch daheim zu setzen um meine Arbeit wieder aufzunehmen. Ein weiteres Jahr unterwegs zu sein, machte mir auch erstmal ein wenig Angst, weil das war ja so alles nicht geplant.

Mir wurde bewußt, dass ich anscheinend eine alles verändernde Entscheidung treffen muss. Primär musste ich eine Lösung mit meinen Kollegen daheim finden, da ich Teilhaber einer Firma war. Zusätzlich kamen noch andere private Problemchen hinzu und ich vermisste die Berge und die Natur. Zu diesem Zeitpunkt bin ich nach Bali weitergereist, da es in Australien so langsam schon recht kühl wurde. In Bali habe ich weitere 2 Monate im Sommer verbracht und diese leider nicht wirklich genießen können.

Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich nicht weiterkam und fest steckte. Außerdem ließen sich diverse Dinge von der Ferne nicht wirklich klären. Die Entscheidung, früher zurück nach Deutschland zu fliegen fiel mir also mehr als schwer. Denn ich musste meinen ursprünglichen Asien-Plan komplett begraben. Aber ich wusste, dass es notwendig war, das hat es schlussendlich etwas erträglicher gemacht.

Herbst 2016: Wieder zurück in Deutschland

Die kommenden 5 Wochen war ich also wieder Zuhause in München. Es war megaschön Familie und Freunde wiederzusehen nachdem ich 9 Monate unterwegs war, allerdings war es auch extrem komisch wieder dort zu sein. Es fühlte sich nicht mehr wie mein Zuhause an. Manchmal hatte ich das Gefühl, wenn ich an einem Ort stand, der mir sehr vertraut war, dass ich überhaupt nicht weg war. Als wären diese 9 Monate nicht passiert.

In öffentlichen Verkehrsmitteln hatte ich schon fast Platzangst, so voll und eng war es überall für mich. Man muss dazu sagen, dass gerade in Neuseeland oder Australien einfach mehr Weite vorzufinden ist und anscheinend habe ich mich daran gewöhnt . Da ich nicht wusste, wie ich es daheim wieder finde und einiges vorhatte, stand es also vorerst noch offen wie es denn weitergeht, eine starke Tendenz für Kanada war aber bereits da.

Spruch

Und so fand ich schlussendlich Wege das alles in die Realität umzusetzen. Denn wenn man etwas wirklich möchte, und davon bin ich überzeugt, überwindet man seine Angst. Die Neugier ist einfach größer. Denn hauptsächlich hat man doch einfach Angst seine Komfortzone so gänzlich zu verlassen denn man weiß ja einfach nicht wie es dann weitergeht und was auf einen zukommt. Dieser Prozess hat sich ein Weilchen hingezogen, akzeptieren zu können das Dinge manchmal nicht nach Plan verlaufen und den Mut aufzubringen Neues zu wagen und die vermeintliche »Sicherheit« (die es eh nie gibt) aufzugeben.

Es geht weiter: Kanada, Winterwonderland

Für mich war von Anfang an klar, dass wenn ich nach Kanada reise, ich auf jeden Fall in ein Skigebiet möchte und auch länger an einem Ort bleiben werde. Das ewige ein- und auspacken hat dann doch irgendwann einfach nur noch genervt. So hab ich mich also aufgemacht in das größte und bekannteste Skigebiet Kanadas: Whistler. Direkt vom Flughafen aus bin ich hierher gefahren, ohne mir Vancouver anzusehen. In den ersten beiden Wochen habe ich mich hier also organisiert: Sozialversicherungsnummer, Bankkonto, Job- und Zimmersuche.

Die ersten drei Dinge waren schnell erledigt, Jobs gibts hier nämlich im Überfluss. Da mein Reisekonto durch die 9 Monate auf Reisen schon strapaziert war, war klar, dass ich hier arbeiten muss. Mit dem Traumjob hat es dann sogar auch recht schnell geklappt. Ich hatte ein Interview und habe den Job als Fotografin auf dem Berg bekommen. Saisonpass inklusive (woohoo, Wert 2000$). Dann musste nur noch ein Zimmer her. Das stellte sich als Problem dar, weil es hier einfach keine Angebote gab. Und wenn doch, haben sich darauf 300 Leute beworben. Kurz nachdem ich hier angekommen war, hatte ich auf Facebook eine Freelancer Gruppe gefunden und mich dieser angeschlossen. Dort habe ich dann mal nachgefragt ob denn jemand etwas wüsste.

Und tadaaaa, mittlerweile wohne ich bei einer sehr netten Australierin, die mich bei sich aufgenommen hat. Dank der Freelancer Gruppe und den neuen Kontakten die ich dadurch knüpfen konnte. Immer schön die Fühler ausstrecken. Das ist hier nämlich der einzige Weg unterzukommen. Manchmal denke ich mir inzwischen, dass es schon komisch ist, wie sich alles so entwickelt hat. Es gibt ja dieses Sprichwort »Wenn sich eine Türe schließt, geht eine neue auf« …

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2017: Mein Alltag in Whistler

Seitdem sieht mein Alltag hier so aus, dass ich 5 Tage die Woche Gäste auf dem Berg fotografiere. Zusätzlich arbeite ich 1-2 Schichten per Woche in einem kleinen, niedlichen Laden im Ort (ja das Leben hier ist teuer, so teuer, dass man zwei Jobs braucht). Dazu kommt, meine Freelancer Arbeit für meine bisherige Grafik-Agentur in Deutschland, meine private Fotografie und ich unterrichte mittlerweile Fotografie für Anfänger. Ich habe also so ziemlich überhaupt keine freie Minute mehr. Deshalb kommt dieser Blogpost auch so spät, sorry dafür. Aber jetzt weißt du warum .

Ich arbeite hart um mir meinen Traum hier realisieren zu können, aber ich genieße jede verdammte Sekunde davon. Die Momente z.B. wenn man da oben auf dem Berg steht und die Sonne kitzelt einen im Gesicht. Unbezahlbar. Nach der Arbeit gehts mit den Kollegen auf dem Snowboard den Berg runter. Unbezahlbar. Morgens wenn ich den Vorhang auf die Seite schiebe, sehe ich direkt die Skipiste auf dem Berg. Unbezahlbar. Und das könnte ich jetzt hier noch weiter so fortführen.

Genau hier will ich gerade sein und nirgendwo anders. Ich bin froh, dass ich Asien früher verlassen habe als gedacht und ich bin froh, dass ich diesen Schritt gegangen bin. Ich habe weiterhin keine Ahnung wie es in ein paar Monaten aussieht aber wenn ich eines gelernt habe während meiner Reise, ist es, keine Pläne zu machen. Es kommt eh alles anders. That´s life. Das ist ein großer Unterschied zu meinem vorherigem, sehr strukturierten Leben in München. Damals war es genau das, was mich veranlasst hat, loszuziehen.

Es ist einfach nichts Unvorhergesehenes mehr passiert. Jeder Tag war dergleiche. Ein Hamsterrad, wo man sich irgendwann fragt ob es das nun war und man so weitermachen möchte die nächsten 30 Jahre. Deshalb kann ich jedem so eine Auszeit nur Wärmstens empfehlen, man hat plötzlich viel Zeit für sich, ist desöfteren allein und kann über alles mal in Ruhe nachdenken. Ich habe mich z.B. auch mit Meditation befasst, was mir sehr geholfen hat. Außerdem bin ich regelmäßig, vor allem in Bali, ins Yoga gegangen. Beides mache ich auch hier in Kanada weiterhin regelmäßig.

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Zum Schluss noch eine Anmerkung für alle, die denken »Boa, die hatte bestimmt so eine geile, unbeschwerte Zeit«. Nein, diese Vorstellung kann ich dir gleich mal nehmen. Ja, man sieht und erlebt viel Neues, trifft neue, inspirierende Menschen aber man hat genau wie daheim auch nicht so gute Tage. Tage, an denen einfach nichts funktioniert. Sei es, weil irgendeine Unterkunft deine Buchung nicht vorliegen hat, der ATM kein Geld ausspuckt, Liebeskummer oder was auch immer. Von sowas ist man nirgendwo befreit. Da ist es einfach mal egal wo man gerade ist. Trotzdem bin ich natürlich endlos dankbar, dass ich es mir ermöglichen konnte und den Mut hatte, diese Reise überhaupt anzutreten. Und da sie noch weitergeht, wird man sehen wohin es mich verschlägt.

Zukunftspläne

Beruflich möchte ich zukünftig sowohl die Grafik als auch die Fotografie verfolgen und das am Liebsten ortsunabhängig. Bis Ende Mai werde ich auf jeden Fall noch hier in Whistler bleiben und danach würde ich gerne wieder in einem Campervan die Provinz Alberta bereisen. Generell habe ich aber auch gelernt, mehr im JETZT zu leben, den Augenblick zu genießen, weder in der Vergangenheit zu wühlen noch Zukunftspläne zu schmieden. Die Vergangenheit ist längst vorbei, quasi nicht mehr zu beeinflussen und in die Zukunft kann niemand sehen. Deshalb sollten wir uns alle mal nicht verrückt machen lassen (das kommt mir so typisch deutsch vor ). Follow your heart!

Es bleibt spannend

Stay tuned

2 Comments

  • Reply Almut März 22, 2017 at 7:02 am

    Hi Conny, nicht nur Deine Fotos sind traumhaft, Kompliment, auch Deine Schreibe ist sehr schön und liest sich flüssig, macht neugierig, weiter zu lesen. Mache doch mal etwas daraus, ein Buch mit Fotos und Text. Kontaktiere mal einige Verlage mit einem Probelayout (kannst Du ja auch). So habe ich es zumindest mit meinen Fotobüchern gemacht. Ich hatte so etwas auch immer vor, denke aber immer, das dies schon so viele gemacht haben und niemanden mehr interessiert. Quatsch, Blödsinn, bullshit, dann braucht man gar nichts mehr anzufangen, weil es alles schon gibt. Nein, man muss es nur anders oder besser machen, dann wird es auch! Also mache es!! In diesem Sinne liebe Conny, wünsche ich Dir weiterhin so viel Lebensneugier und Freude und bleibe weiterhin so kreativ am Drücker, adios, saludos de Andalusia – Almut

    • Conny
      Reply Conny April 25, 2017 at 5:55 am

      Hi Almut, vielen lieben Dank für deinen Kommentar und dein tolles Feedback! Ich bin nicht mehr so viel online auf meiner Seite weil ich diese bald komplett umgestalten werde. Es wird mehr zu einem Portfolio meiner Arbeiten und der Blog wird nur sehr klein nebenher laufen. Ich komme leider viel zu wenig zum Schreiben vor lauter fotografieren. Aber das ist natürlich eine gute Idee die du da hast, wenn ich hoffentlich mal Zeit dafür finde, mache ich das! LG nach Andalusien :)

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