Housesitting-Frontbild-2

Housesitting in Australien – Wie funktioniert das eigentlich ?

Im Juni 2016 habe ich 3 Wochen lang mitten in der australischen Pampa auf ein rießiges Haus und einen Boarder Collie aufgepasst. Ich durfte dort umsonst auf 12.000 m2 leben, Internet, Netflix und sogar ein Auto benutzen. Das Ganze nennt sich »Housesitting« und ist eine noch nicht ganz so bekannte Art in einem fremden Land Zeit zu verbringen ohne viel Geld auszugeben.

Wenn du Glück hast, kannst du sogar auf einer spanischen Finca mit Pool oder in einem viktorianischen Anwesen in England wohnen. Klingt gut? Na dann les′ doch einfach mal weiter

Die Anmeldung auf der Website

Als ich Anfang des Jahres in Neuseeland war, habe ich mich auf der Website www.trustedhousesitters.com angemeldet. Man bezahlt ca. 90 € »Eintrittsgebühr« und erstellt ein Profil über sich. Die Gebühr ist natürlich nicht wenig, jedoch in Anbetracht einer erfolgreichen Vermittlung vertretbar, finde ich. Zusätzlich möchte die Website, vermute ich, vermeiden, dass sich Leute anmelden, die die Sache evtl. nicht ernst nehmen.

Für das Profil solltest du dir Zeit nehmen und dich ausführlich beschreiben. Dies ist deine Visitenkarte und das Erste was die Hausbesitzer von dir zu Gesicht bekommen. Wähle ein aktuelles Foto von dir aus und achte besonders darauf, einen guten und vertrauenswürdigen Eindruck zu hinterlassen. Denn genau darum geht es hier. Vertrauen. Ich selbst würde einer Person, der ich mein Haus für eine Zeit lang überlasse, sonst auch nicht über den Weg trauen. Schließlich befindet sich ja alles Hab und Gut darin oder?

Nachdem du nun also das Profil erstellt hast, gehst du auf die Suche nach einem geeigneten Housesit bzw. liest dir die Angebote in der Datenbank durch. Falls du in einem bestimmten Land oder Gegend ein Haus finden möchtest ist auch dies über die Suchfunktion möglich. Wenn du fündig geworden bist, schreibst du den Leuten eine Nachricht und wartest auf Antwort. Die Nachricht sollte bestenfalls auf die Eigentümer und deren Haustiere bezogen sein, Copy/Paste Texte haben keine Chance. Das ist quasi wie beim Online-Dating

Ich habe anfangs sehr viele Absagen bekommen oder nur kurze Nachrichten, mit der Mitteilung, dass man all die Bewerber sortiere. Du siehst also, hier herrscht große Konkurrenz. Vor allem in großen Städten, da hätte natürlich jeder gerne eine kostenlose Unterkunft. Hat man bereits einen Housesit erfolgreich abgeschlossen, bekommt man eine Bewertung bzw. Bestätigung, was natürlich auch eine gute Referenz für zukünftige Eigentümer ist. Ist man noch ein Neuling, wie ich es bin, wird es etwas schwieriger.

Täglich bekomme ich per Email einen Newsletter mit neuen Angeboten und so stoße ich dort auf ein Inserat an der Westküste Australiens in der Nähe von Perth. Es handelt sich um ein britisches Pärchen, dass für 3 Wochen einen Sitter sucht, nur leider kann ich keine Bilder online sehen. Die Westküste stand eigentlich so gar nicht auf meinem Plan, doch irgendwas bewog mich den beiden trotzdem zu schreiben. Ich erhalte prompt eine nette Antwort, dass ihnen mein Profil sehr gut gefällt und sie gerne mit mir telefonieren möchten. Juhu, endlich!

Die Kennenlern-Phase via Skype oder Telefon

Gesagt getan, am kommenden Tag telefoniere ich mit dem Hausbesitzer, der zwar so schnell spicht, dass ich nur die Hälfte verstehe, aber er klingt wirklich sehr nett. Ich frage nach Bildern, damit ich einen besseren Eindruck bekomme und die er mir später per Mail zukommen lässt. Die beiden haben das Haus erst vor kurzem gekauft, so dass ich einen Link der Immobilienfirma erhalte. Ich überlege hin und her, schließlich verpflichtet man sich, dann auch wirklich zur vereinbarten Zeit dort zu sein und sollte nicht mehr z.B. spontan seine Reisepläne ändern.

Kurze Zeit später sage ich zu, obwohl ich ein paar Bedenken habe, die sich im Nachhinein natürlich als totaler Unsinn herausstellen. In meinem Hirn spielen sich Dinge ab wie »Was machst du wenn das Killer sind, wenn die dich entführen, festhalten oder sonstwas«. Vielleicht ist das typisch deutsch, ich weiß.

Ich hatte jedoch am Telefon erfahren, dass ich 2 Tage mit den Hausbesitzern zusammen in ihrem Haus verbringen soll und unter diesem Aspekt halte ich solche Gedanken für ziemlich normal bzw. ist mir auch klar, dass mich die Leute kennenlernen wollen um mir ihren Tagesablauf vor allem mit dem Hund zeigen zu können.

Es geht mir um Sicherheitsaspekte als alleinreisende Frau. Auch, dass ich allein im Nirgendwo sein werde wo der nächste Nachbar evtl. etwas weiter entfernt sein wird. Carina von Pink Compass hat über solche Situationen eine super Artikel geschrieben, den solltest du unbedingt lesen und zwar hier.

Ich wollte mich von diesen Angst-mach-Gedanken auf keinen Fall klein kriegen lassen. Ich stell mich der Herausforderung und geh mal an meine Grenzen oder sogar noch weiter drüber denk ich mir. Gesagt Getan.

Ankunft am Haus & Treffen der Hausbesitzer

Ein paar Wochen später komme ich in Perth an und werde an der nächstgelegenen Bahnstation abgeholt. Das Haus liegt etwa 90 km nördlich von Perth bzw. etwas mehr als 1 Autostunde entfernt. Die Bahnstation ist 40 Autominuten entfernt, danach ist man ohne Auto aufgeschmissen. Während der Fahrt bekomme ich schonmal einen guten Eindruck der Umgebung, ziemlich viel Pampa. Endlose Weite, rote Erde. Mag ich. Ich bin gespannt.

Als wir ankommen, fehlen mir die Worte. Das Haus bzw. Grundstück ist rießig und ich meine wirklich super rießig! Wir fahren eine Art Auffahrt zum Haus hinauf, das verborgen hinter Eukalyptusbäumen liegt. Es ist einstöckig, was für Australien sehr typisch ist. Hier hat man soviel Platz, dass man nicht nach oben bauen muss . Hinter dem Haus wachsen Zitronen- und Orangenbäume, nebenan halten sich die Nachbarn ein paar Kängurus, die ich während meinem Aufenthalt noch öfters zu sehen bekommen werde. Hallo? Wie geil ist das denn bitte! Die pure Idylle!

IMG_6844IMG_6834IMG_6832

Wir lernen uns besser kennen und ich verbringe die folgenden 2 Tage und Nächte zusammen mit den Eigentümern, bevor sie auf ihre 3-wöchige Reise gehen. Und dann ist da natürlich ihr bezaubernder Hund Moon, auf den ich ebenfalls in den nächsten Wochen aufpassen werde. Ich habe noch nie einen Hund gehabt bzw. habe ich so gut wie keine Erfahrung mit Hunden. Auch das wird alles neu für mich werden. Achso und ich wurde natürlich nicht entführt

Startschuss: 3…2…1… es geht los!

Da das Grundstück so groß ist, muss ich in nächster Zeit nicht wirklich mit Moon jeden Tag Gassi gehen, manchmal reicht auch ein kurzer Spaziergang um das Haus. Manchmal nehm ich ihn aber auch im Auto mit und fahre an einen der Dog-Beaches in den umliegenden, kleinen Orten direkt am Meer, wo meist kein Mensch ist außer mir und ihm. Oder wir fahren zum einkaufen oder sonstwohin.

IMG_6801IMG_6806

Er ist wirklich superlieb, bellt so gut wie gar nicht und hört von Anfang an perfekt auf mich. Das hatte ich ja mal überhaupt nicht erwartet. Eine Leine braucht er auch nicht, er bleibt immer bei einem und läuft nie weit weg. Ein echter Glücksgriff für mich als Hunde-Anfängerin. Er war lange auf einer Farm und musste dort jahrelang »arbeiten«, jetzt ist er in »Rente« und genießt jegliche Aufmerksamkeit. Er kann auch ein richtiger Comedian sein und bringt mich sogar oft zum Lachen.

IMG_6802

Abends wenn es dunkel wird, ist’s ein klein wenig unheimlich, so wie ich es mir vorgestellt habe. Man hört keinen Muchs außer den ein oder anderen Hund in der Ferne bellen. Dass sich die Nachbarn gegenüber 2 Dobermänner halten machen das Ganze nicht besser. Jeder hier in der Gegend besitzt Hunde.

Ich kann das Haus nicht wirklich sicher absperren, da der Hund raus können muss. Das ist in Australien und auch Neuseeland jedoch ziemlich normal, kein Mensch sperrt hier sein Haus ab. Ich geh mal davon aus, dass dort weniger Einbrüche passieren als bei uns oder es ist wieder so ne typisch deutsche Einstellung.

Anyway, ich reiß mich also zusammen und lenke mich abends mit Filmen ab um diesen Angst-mach-Gedanken zu entkommen. Und dann sag ich mir immer wieder »Hey, morgen ist ein neuer Tag an dem ich z.B. wieder meinen Kaffee morgens mit Aussicht auf Kängurus trinken kann« und das will ich nicht missen. Also haut ab ihr blöden Gedanken! Oft hat das funktioniert, manchmal aber auch nicht …

IMG_1635

Moon ist sehr verwöhnt und bekommt morgens Schinken/Käse zum Frühstück und abends Fleisch, dass im Kühlschrank vorrätig gelagert wird. Er folgt mir oft in jedes Zimmer und möchte immer wissen wo ich bin. Wenn ich im Bad bin, kommt er vorbei um sich zu vergewissern, dass ich da bin. Ich würde lügen, wenn ich das nicht total lieb fände.

Die meißte Zeit nutze ich, um an meinem Blog zu arbeiten, Bilder meiner Reise zu bearbeiten oder Organisatorisches zu klären. Durch das gute Wifi kann ich auch viel mit meinen Freunden und Familie daheim telefonieren. Langweilig ist ist mir noch nicht ein einziges Mal gewesen.

IMG_1799IMG_1603

Da ich Moonie (sein Spitzname) tagsüber auch mal allein lassen kann, erkunde ich die nähere Umgebung natürlich auch ein wenig. Da gibt es z.B.  den sehr schönen Nationalpark mit Koalas und noch mehr Kängurus in Yanchep, die Sanddünen in Lancelin, die Pinnacles und noch etwas weiter nördlich die Jurian Bay.

In sehr kurzer Zeit erreiche ich auch die Stelle an der der Moore River ins Meer fließt und bei Ebbe durch eine Sandbank getrennt wird. Hier gefällt es mir besonders gut, aber auch das winzige Örtchen Seabird hat es mir angetan. Ich begegne kaum anderen Menschen an diesen wunderschönen Stränden und mir fällt auf, dass ich eine komplette Woche mit keinem Menschen persönlich gesprochen habe.

IMG_6884IMG_6922

Von den Eigentümern bekomme ich ab und an Nachrichten, ob alles in Ordnung ist bzw. schreibe ich ihm auch von mir aus bzw. schicke Bilder, so das er sich keine Sorgen machen braucht. Ich gewöhne mich schnell an das Haus, den süßen Hund und vor allem an den vielen Platz. Ein bißchen verloren kam ich mir ja anfangs schon vor mit so einem eigenen Park ums Haus herum. Aber der Mensch ist ja bekanntlich ein Gewohnheitstier.

Huch … schon rum … echt jetzt?

Die Zeit vergeht wie im Flug und die beiden kommen aus ihrem Urlaub zurück. Sie bieten mir immer wieder an, dass ich noch solange bleiben kann wie ich möchte und so kommt es, dass ich noch etwas länger als eine Woche mit den beiden zusammen in ihrem Traumhaus wohne. Der Abschied fällt mir schwer, weil sich alles doch sehr familiär angefühlt hat, ich bin mir jedoch sehr sicher, dass wir uns wiedersehen werden bzw. haben wir das eigentlich schon vereinbart.


  FAZIT:

Ich bin angefixt! Macht das, ich kann es wirklich absolut empfehlen! Man entwickelt eine Art täglicher Routine an einem fremden Ort und taucht so nochmal ganz anders in die Lebensart und Kultur ein. Falls du dich nicht traust, alleine auf Haus und Tiere aufzupassen, kannst du das natürlich auch mit einer zweiten Person tun oder sogar mit deiner Familie/Kindern. Viele Hausbesitzer schreiben das mit in die Beschreibung, ob sie sich ein Pärchen oder eine Person allein wünschen bzw. ob das Haus familienfreundlich ist.


FACTS:

  • Anmeldegebühr: ca. 90 € auf www.trustedhousesitters.com die sich sowas von lohnen
  • Zielgruppe: Sowohl Langzeitreisende, Blogger als auch z.B. Freelancer die mal von woanders aus arbeiten möchten oder jeder der gern an einem Ort verweilt
  • Dauer: Je nach Inserat, du kannst selbst entscheiden, wofür du dich bewirbst. Von ein paar Tagen bis mehreren Monaten ist alles vertreten.
  • Haustiere: Je nach Inserat, auch hier kannst du selbst entscheiden, was du dir zutraust. Hunde, Katzen oder sogar beides. In Neuseeland habe ich viele Anzeigen auch von Farmen gesehen, dort müsste man dann sogar auf z.B. Schafe, Pferde und Hühner aufpassen.
  • Kosten: Unterkunftskosten fallen weg, lediglich um Essen, Freizeitaktivitäten und evtl. Benzinkosten musst du dich kümmern. Du siehst also, hier lässt sich eine Menge sparen!
  • Location: Du kannst Housesitting in so gut wie jedem Land weltweit machen, schau einfach mal auf der Website nach und durchforste die Angebote!

Folgende Artikel könnten dir auch gefallen:

WWOOFING Neuseeland – Meine Farmarbeit mit Pferden

Australien Galerie

 

Related Posts

1 Comment

  • Reply Insiderinformationen für Hausssitting weltweit September 6, 2016 at 5:02 am

    […] Blogpost zum Thema Haussitting […]

  • Leave a Reply


    *