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Hitchhiking in Neuseeland – 9 Tipps & warum du dich auch als Frau allein trauen solltest

Viele würden sagen, du bist doch verrückt! Allein als Frau per Anhalter fahren ist doch super gefährlich! Ich hab es oft genug gehört. Kurz vor meiner Abreise aus Neuseeland haben mich andere Mädels im Hostel mit großen Augen angesehen, als ich ihnen erzählt habe, dass ich eine relativ lange Strecke allein per Anhalter zurück nach Christchurch gefahren bin. Das würden sie sich nie trauen meinten sie, das ist ihnen zu gefährlich.

Wie definiert man gefährlich? Ich denke, dass muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich jedenfalls war einfach zu neugierig (wie immer ) und wollte es ausprobieren, da es in Neuseeland fast schon ein Volkssport ist und man wirklich sehr viele Hitchhiker an den Straßen stehen sieht.

Meine Regel:

Ich habe für mich entschieden, dass ich nicht mit einem Mann allein im Auto fahren möchte (gleich vorab, diese Regel habe ich gebrochen)

  • Nr 1: DU entscheidest, zu wem du ins Auto steigst und mit wem du dich wohlfühlst! Im Zweifel steigst du nicht ein!

Mein Plan ist es also, von Takaka, wo ich 3 Wochen gewwooft habe (mehr dazu hier), bis Kaikoura zu kommen. Dafür hatte ich mir 2 Tage eingeplant,  mit einer Zwischenübernachtung in Blenheim, um am nächsten Tag weiterzufahren. In Kaikoura hatte ich einen kurzen Stopp angedacht um dort mit Delfinen zu schwimmen bevor es in einer weiteren Etappe nach Christchurch gehen sollte. Die erste Tagesstrecke von Takaka nach Blenheim ist ca. 218 km lang. Nicht wenig für den Anfang.

  • Nr. 2: Stelle dich nie in die Mitte eines Ortes, sondern laufe/fahre an den Ortsrand und platziere dich an der Straße, die in deine Zielrichtung verläuft! Achte darauf, dass ein Auto gut anhalten kann, vermeide also Kreuzungen und Ampeln!

Da stand ich nun also in Takaka am Ortsrand mit einem Pappschild in der Hand und einem ausgestreckten Daumen. Da der Ort wirklich klein ist, fahren dort natürlich auch nicht viele Autos rum. Also musste ich länger warten. Das sollte dich aber auf keinen Fall entmutigen.

  • Nr. 3: Bastel dir ein Pappschild und schreib dein Ziel drauf oder zumindest den nächsten größeren Ort, so wissen die Fahrer gleich wohin du willst. Hier darfst du gerne kreativ sein, um es den Leuten zu erschweren nicht anzuhalten z.B. »Mom wants me back home« oder »Cookies for a Lift«

Ein anderes Mädchen taucht auf und stellt sich nur wenige Meter von mir entfernt an die Straße. In Fahrtrichtung gesehen vor mir, das finde ich nicht gerade fair. Vor allem weil sie nach mir kam und mir somit innerhalb von 1o min. das Auto bzw. die Mitfahrgelegenheit wegschnappt. Als sie an mir vorbei fährt, grinst sie mich noch unverschämt an! HALLO?!?!

  • Nr. 4: Sei fair und stelle dich IMMER in Fahrtrichtung gesehen hinter andere Hitchhiker bzw. sprich mit ihnen, vielleicht kann man sich ja zusammentun

2 Jungs kommen, gehen jedoch noch ein gutes Stück hinter mir weiter. Na also, geht doch. Finde ich sehr nett von ihnen. Nach etwa einer halben Stunde hält ein älterer Mann, der mich ein kleines Stückchen mitnehmen würde, was ich aufgrund meiner Regel und meines Gefühls höflich ablehne. Ein zweites Auto mit einem neuseeländischen Pärchen hält nach fast einer Stunde Wartezeit und nimmt mich fast bis Nelson mit. Das ist schon mal ein gutes Stück. Die zwei sind supernett und so unterhalten wir uns über meine Reise und ihren Urlaub, den sie gerade in der Gegend hier verbracht haben.

  • Nr. 5: Hitchhiken ist ein Geben und ein Nehmen, der Fahrer bekommt Entertainment und du eine Mitfahrgelegenheit, sei also offen für ein Gespräch!

Am Ortseingang von Nelson nimmt mich innerhalb weniger Minuten ein Mädchen mit, dass mir erzählt, dass sie halb Deutsche sei und bald nach Deutschland in den Urlaub fährt. Es ist eine ziemlich kurze Fahrt, denn sie kann mich nur bis an den Ortsausgang fahren. Sie meint dort käme ich einfacher weiter. Auch hier warte ich nur wenige Minuten bis ein Camper mit zwei deutschen Mädels anhält, die auf dem Weg zu einem Campingplatz sind und so stehe ich etwa 40 min. später in einem sehr winzigen Ort mit noch weniger Verkehr als in Takaka wieder an der Straße.

  • Nr.6: Morgens (Berufsverkehr!) ist die beste Zeit eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Plane dir bei langen Strecken evtl. Zwischenstops ein!

Ich höre ein hupendes Auto, dass nicht weit entfernt parkt und eine Frau winkt, ich solle zu ihr kommen. Also fahre ich das letzte Stück bis Blenheim mit ihr und höre gespannt ihren Erzählungen zu. Sie lebt schon seit ca. 10 Jahren in Neuseeland und kommt ursprünglich aus Indonesien. Die Liebe sagt sie, hat sie nach Neuseeland geführt (Hach ). Sie fährt mich sogar bis zu meinem Hostel was nicht selbstverständlich ist.

  • Nr. 7: Setze dich nie gelangweilt auf die Straße, sondern bleibe aufrecht stehen und lächle

Am nächsten Tag muss ich auch diesmal nicht lange warten. Ein sehr junger Neuseeländer hält an und kann mich bis Kaikoura mitnehmen, 128 km. Ich breche meine Regel, da er mir auf Anhieb symphatisch scheint und was soll ich sagen, die Fahrt mit ihm war wirklich sehr lustig. Da er selbst von der Südinsel noch nicht viel gesehen hatte, muss ich mit seinem Handy Bilder der Landschaft machen und wir machen einen kurzen Stop unterwegs um uns Babyrobben in einer Lagune anzusehen. Wäre ich mit dem Bus gefahren, hätte ich die niedlichen Dinger sicher nicht zu Gesicht bekommen und evtl. auch keine so nette Unterhaltung gehabt.

  • Nr 8: Fotografiere oder notiere das Kennzeichen und schicke es an einen Freund/Freundin!

Ein paar Tage später steht die dritte Etappe nach Christchurch an, 180 km. Mit meinem, mittlerweile echt schwer gewordenen Backpack, quäle ich mich erstmal zur Hauptstraße hoch. Auch diesmal warte ich keine 5 Minuten und es hält wieder ein Mann an. Ich bin kurz hin & hergerissen, traue aber meinem Bauchgefühl und so fahren wir die knapp 3 Stunden bis Christchurch durch. Der Mann, an dessen Namen ich mich leider nicht mehr erinnere, quasselt mich in Grund und Boden (soll es auch geben ja ), wortwörtlich sogar, denn er ist Forscher. Also höre ich mir gebannt seine Lebensgeschichte an. Er bietet mir sogar an, die kommende Nacht bei ihm und seiner Frau zu verbringen, ich habe allerdings mein Hostel schon gebucht.

  • Nr. 9: Behalte Wertsachen immer bei dir, nie im Backpack im Kofferraum lassen!

Zum Schluss, möchte ich noch darauf hinweisen, dass meine Erfahrungen auf Neuseeland beruhen, das Hitchhiken gilt nicht in jedem Land als sicher. Informiere dich also unbedingt vorab über das Reiseland. Eine weitere Variante, die ich ebenso genutzt habe, ist sich über Facebook Gruppen im jeweiligen Land, Mitfahrgelegenheiten zu suchen. Sowohl in Australien als auch in Neuseeland gibt es Backpacker Gruppen, in denen sich Leute zusammentun , die z.B. dasselbe Reiseziel haben oder auch nur einen kurzen »Lift« zwischen zwei Städten suchen.


  FAZIT:

Ich bin froh, dass ich meine anfängliche Angst/Skepsis überwunden habe, denn so habe ich viele interessante Menschen kennenlernen dürfen und dafür bin ich unendlich dankbar. Es ist ein Abenteuer, keine Frage. Aber eins kann ich dir sagen, du wirst stolz auf dich sein und Vertrauen in dich selbst entwickeln! Solltest du dennoch unsicher sein, probiere es, falls möglich erstmal mit einer Freundin/Freund zusammen aus! Go for it!

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