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3-tägige Reittour ins atemberaubende Thórsmörk

Nun war er endlich da, DER Zeitpunkt. So lange hatte ich davon geträumt. So lange stand eine mehrtägige Reittour in Island auf meiner imaginären Bucket List. Ich würde fast schätzen so lange ich diese Liste in meinem Kopf überhaupt habe. Bzw. sind es ja eigentlich Wünsche und keine Liste. Ein paar Dinge, die man einfach erlebt haben möchte. Aufgrund der hohen Kosten für so eine Reittour und der früheren Skepsis vor Solo-Reisen habe ich ihn mir nie erfüllt. Bis heute. Ich entschied mich für den Veranstalter Ishestar und eine 3-tägige Tour durch den Nationalpark Thórsmörk, nahe dem Vulkan Eyjafjallajökull im Süden der Insel. Ja genau, der, der 2010 den ganzen Flugverkehr lahmlegte. Du erinnerst dich sicher …

1. Tag, Cowgirl Feeling

Nach ein paar Tagen in Reykjavik und diversen Ausflügen werde ich am ersten Tag frühmorgens an meinem Hostel vom Veranstalter im Minibus abgeholt. Während der nicht allzu langen Fahrt lernt sich unsere Gruppe ein wenig kennen und wir werden sehr herzlich auf der Farm empfangen. Bei Kaffee, Kuchen und Snacks befragt uns der Farmer nach unseren Reitkenntnissen. Dieses »Ausfragen« dient dem Zweck, später die passenden Pferde dem passenden Reiter zuzuordnen. Da ich zwar seit meiner Kindheit auf Islandpferden reite, heute aber nicht mehr regelmäßig und noch nicht einschätzen konnte wie die Pferde so drauf sind, habe ich vorsichtshalber etwas untertrieben. Wenn man dann unterwegs ist, schreibt der Guide akribisch mit, welche Pferde man geritten hat.

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Und dann gehts auch schon los.

Das erste Pferd steht direkt vor meiner Nase, aufgesattelt (Putzen ist völlig überbewertet und wird ausgelassen) und wir reiten erstmal ein Stückchen neben der Straße entlang. Das Wetter ist mehr als bescheiden. Da die Isländer viel Strecke reiten, wird kaum im Schritt gegangen, sondern immer in der beliebten Gangart Tölt. Für die Leser unter euch, die das nicht kennen: Das ist eine weitere Gangart, die nur sehr wenige Pferderassen beherrschen und die in der Schnelligkeit dem Trab ähnelt, jedoch sehr viel bequemer für den Reiter ist. Gallopiert wird in Island so gut wie nie.

Wir verlassen die Strasse und biegen in Richtung des Nationalparks ein. Nach etwa 2 Stunden müssen wir auf die zweite Gruppe hinter uns warten, bestehend aus dem Farmer, der im Auto unser Gepäck transportiert und auf die freilaufende Herde, die von drei Stallmädchen voran getrieben wird. Plan war, nach einer Lunchpause dann alle zusammen mit der Herde (normalerweise ca. 30-50 Pferde) zu reiten. Das ist in Island die typische Art sich fortzubewegen, gerade bei mehrtägigen Ritten. Die Pferde sind meist nach ca. 2 Std. fix und fertig und müssen gewechselt werden, hauptsächlich weil permanent Tempo angesagt ist. Wer denkt, dass man sich dort schön gemütlich im Schritt die Umgebung ansehen kann, irrt. Als es dann weiter geht, wir das zweite Pferd bekommen, ist mir klar: Das ist genau mein Ding, genauso hatte ich mir das erhofft. Die Natur, die unendliche Weite, keine Autos, kein Lärm, nur man selbst, das Pferd und der Hund der mit läuft und einen Heidenspaß dabei hat, die Pferde zu ärgern.

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Man muss sich das so vorstellen, dass immer ein Teil vor der Herde reitet um die Richtung anzugeben und der andere Teil dahinter. Das ist der anstrengendere Job, weil man die Ausreißer einfangen bzw. die Pferde vorantreiben muss. Ich fühl mich wie im wilden Westen. Immer wieder muss ich mich fast zwicken, dass ich das wirklich gerade tue. Ein unbeschreibliches Gefühl! Nur das Lasso fehlt . Die Wege sind sehr steinig, das andauernde, schnelle Tempo. Das ist echt nur für erfahrene Reiter zu empfehlen.

Immer wieder geht es durch seichtere Flüsse und am Schluss noch durch einen sehr tiefen und breiten, bei dem der Farmer aufpasst, dass auch jeder von uns wohlbehalten drüber kommt. Kurz darauf erreichen wir dann unsere Unterkunft, die Volcano Huts. Dort wohnen wir in einer Holzhütte mit zwei Schlafräumen und einem Wohnzimmer, 6 Leute pro Zimmer. Schlafsäcke bekommen wir gestellt, falls man seinen eigenen nicht mit dabei hat. In einer größeren Hütte gibt es Essen, draußen eine kleine Sauna und einen Hot Pool, der aber leider Ende Mai noch nicht »hot« genug ist. Jetzt erst merke ich so langsam dann doch noch alle meine Muskeln, die den Tag über so beansprucht wurden … Aua.

2. Tag, Endlich SONNE!!

Der zweite Tag hält einen Ausritt am Vormittag und einen weiteren nach der Lunchpause bereit. Ich bin ein wenig enttäuscht, da ich dachte das Abenteuerspielchen vom Vortag mit der Herde geht weiter. Leider ist dem nicht so, die Herde bleibt an der Unterkunft. Der erste Ausritt geht sehr steil auf einem extrem engen Pfad hinauf auf einen Gipfel mit atemberaubender Aussicht über das Tal und die teilweise noch schneebedeckten Berge. Dieser Moment zaubert mir noch heute ein Lächeln aufs Gesicht. Einfach unbezahlbar!

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Es ist unüblich, dass Ende Mai noch so viel Schnee liegt, erzählen mir die Isländer. Ich finde es trotzdem sehr schön noch welchen zu sehen. Ich liebe Schnee! Die Sonne brennt, wie vorhergesagt, kontrastreich zum Regen am Vortag. Der Himmel hätte nicht blauer sein können und ich bin einfach nur dankbar, dass alles sehen und erleben zu dürfen. Den schwarzen Wallach, den ich reite, mag ich richtig gern, nur leider hab ich nicht wirklich etwas davon, da wir nur sehr langsam unterwegs sind und Berge hinauf oder hinunter steigen.

Bergab rutschen dann auch manche Pferde aus, auch meins, das geht aber dann gerade noch so gut. Man sollte wirklich Vertrauen in sein Pferd haben und keine Angst davor evtl. zu fallen. Dazu gleich ausführlicher mehr. Die Mittagspause wird zum Sonne tanken und genießen genutzt. Am Nachmittag geht es dann in ein anderes Tal bzw. eine Schlucht mit vielen Steinen und Flüssen. Das heißt wieder sehr vorsichtiges und langsames Vorankommen. Wir werden zum Schluss mit einem beeindruckenden Wasserfall am Ende der Schlucht belohnt. Es geht denselben Weg zurück, wo es auch schon wieder Abendessen gibt und wir, wie am Vorabend, gemütlich beisammen sitzen.

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3. Tag, Wie, schon vorbei … ?

Heute geht es auch schon wieder über exakt die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg zurück zur Farm. Der Alternativ Weg ist leider noch nicht geöffnet. Die Herde muss also zurück getrieben werden, d.h. Abenteuerfeeling, juhuu. Da es nach Hause geht und die Pferde das natürlich wissen, sind sie mega schnell unterwegs. immer wieder reißen welche aus und müssen eingefangen werden. Über fehlendes Adrenalin muss sich heute keiner beklagen, wir wechseln 2 bzw. 3x das Pferd. Außerdem haben wir das Glück, dass man dem Farmer immer seine Wünsche äußern kann. Mir wird auch erzählt, dass man bei anderen Touren/Veranstaltern bei der Auswahl der Pferde nicht viel mitzureden hat. Mit meinem ersten Pferd bin ich erst hinter der Herde, danach mit dem nächsten davor, also kann ich beides mal erleben. Wie schon am ersten Tag brauchen wir mehrere Stunden, ca. 30-40 km reitet man in etwa pro Tag.

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  FAZIT UND WARNUNG:
Ich kann so eine Tour wirklich jedem Reiter ans Herz legen! Auch denjenigen, die nicht regelmäßig oder keine Islandpferde, sondern andere Pferde, reiten. Man sollte sein Können jedoch wahrheitsgemäß einschätzen können. Mehrere in unserer Gruppe sind runtergefallen, ich selbst 2x fast. Ein geübter Reiter bekommt Situationen vielleicht eher wieder in den Griff und hat auch danach keine Angst wieder aufzusteigen. Wir hatten eine Frau dabei, die am ersten Tag fiel und danach nicht mehr weitermachen wollte weil sie Angst hatte. Allerdings sind auch Leute mit mehr Erfahrung gefallen, sogar der Guide.

Für diejenigen, die Angst oder noch keine Erfahrung haben, empfehle ich lieber einen kurzen Ausritt für Anfänger und keine mehrtägige Tour. Ich muss schon sagen, das war kein Spaziergang. Die meisten Anbieter haben in ihren Tourenbeschreibungen eine Skala, auf der das vorausgesetzte Level für die jeweilige Tour angegeben ist. Daran sollte man sich orientieren und genau überlegen und abwägen was man möchte. Islandpferde sind sehr verlässliche Tiere, meiner Erfahrung nach ist es in den häufigsten Fällen ein Fehler des Reiters, der zum Fall führt. Lasst euch davon nicht abschrecken, ich würde Reittouren in Island jederzeit wieder machen und konnte gar nicht genug davon bekommen!

  FOTOGRAFIEREN:
Gestaltet sich auf dem Pferd als sehr schwierig. Ich hatte damals leider noch keine GoPro, sondern nur eine kleine Kompaktkamera dabei. Alle Fotos hier im Post sind mit dieser aufgenommen. Von den Pferden habe ich allerdings während sie an den Volcano Huts standen ein paar bessere Bilder mit meiner SLR gemacht. Die könnt ihr euch natürlich auch ansehen, und zwar hier: Island Galerie

TIPP: Nenne ein Islandpferd nie, nie, nie, ein Islandpony! Darauf reagieren die Isländer super allergisch!


FACTS:

  • Dauer: 3 Reittage
  • Ort: Thórsmörk Nationalpark, Island
  • Verpflegung: Vollpension in den Volcano Huts
  • Preis: 885€
  • 2-3 Pferde pro Tag, 20-40 km pro Tag, 6-7 Std täglich im Sattel
  • Gummistiefel nicht vergessen!

 

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